Rausschmeißer

IMG_0261

Wenn die Gebrüder P. zu Besuch kommen, ist der Druck groß. Ich habe da einen gewissen Ruf, der sich so ziemlich auf ein einziges Abendessen und einen anschließenden Rausschmiss zu später Stunde begründet. An Letzteren erinnert mich der jüngere P. seit 15 Jahren bei jeder Gelegenheit und immer wieder gern. Die unhöfliche Aufforderung und das Essen zusammen können zusammen aber so schlimm doch nicht gewesen sein, denn die Brüder P. zeigten sich hocherfreut über eine erneute Essenseinladung. Mit dem festen Willen, die Gäste dieses Mal auf keinen Fall zur Tür zu bringen, bevor sie selbst den Wunsch dazu äußern, machte ich mich ans Menü. Fürs Dessert hatte ich mir sogenannte Crème-brûlée-Squares eingebildet.

„Einfach“ stand unter dem Rezept und wie schwer kann es auch schon sein, einen dünnen Mürbteigboden mit einer Eier-Vanillemasse zu begießen und zu backen? Nicht sonderlich – wenn man sich für die richtige Form entscheidet. Weil ich auch wirklich Squares haben wollte und mir meine eckige Springform zu groß erschien, habe ich die rechteckige Tarteform gewählt. Ist ja auch so praktisch, weil man den Boden herausnehmen kann…

Dass ich eigentlich schon vor dem in den Ofen Schieben wusste, dass das hier nicht passt, weil die Form allein für den Teig einfach schon zu klein ist – wen kann das noch wundern? Dass ich dann allerdings trotzdem die Eiermasse aufgegossen habe, obwohl ich den schwerwiegenderen Fehler des undichten Bodens längst erkannt hatte, lässt sich nur durch eine gewisse familiär verbreitete Sturheit begründen. „Wird schon gehen“, dachte ich. „Ich muss halt schneller sein, als die Fließgeschwindigkeit der Masse, und das Blech zurück im Ofen haben, bevor die Soße merkt, dass sie unten raus kann.“

IMG_0248

Die Soße hat den Wettlauf definitiv gewonnen.

Mal abgesehen davon, dass ich vorher schon die Hälfte versehentlich über den Herd gegossen hatte, mich der Gatte mit Wischlappen und besänftigenden Worten beruhigen musste: Die Tarteform wäre eh nie und nimmer hoch genug gewesen, um alles zu fassen. Übrig blieb ein dünner Film Créme auf zu dickem Espressomürbteigboden, den ich nach dem Backen mehr schlecht als Recht abgeflämmt habe. Irgendwie ist es mir zumindest gelungen, so viele Stückchen herauszuschneiden, dass das ganze einigermaßen nach Dessert aussah.

IMG_0249  IMG_0250

Und zum Glück waren vom Vortag noch frische Rugelach da, eine Sache, die – toi toi toi – bislang immer funktioniert hat. Wann immer etwas Quark im Kühlschrank ist, der langsam mal verarbeitet werden sollte, mache ich ein, zwei Portionen Rugelach-Teig (ein jüdisches Festtagsgebäck) und friere ein, was ich nicht gleich verbrauche. Aufgetaut, ausgerollt, mit Zimtzucker, Marmelade oder Schokolade und immer mit gehackten Nüssen bestreut, werden kleine, blättrig süße Hörnchen daraus.

Die Brüder P. sind dann dieses Mal vergleichsweise zeitig aufgebrochen. Sie konnten aber   glaubhaft versichern, dass es nicht am Nachtisch lag.

IMG_0173  IMG_0244

IMG_0247  IMG_0177

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s