Happy Desaster

image

Was für eine Niederlage. Und was für ein Segen für alle.  Überhäufen werden sie mich mit Dank und Erleichterung. Wut, Ärger und Enttäuschung wird das aber nur bedingt lindern.

Ich will vorausschicken, dass ein gewisser Hang zur Sturheit durchaus angelegt ist in meiner Familie. Wenn wir uns etwas in den Kopf gesetzt haben, dann wollen wir es durchziehen. Und ich hatte mir nun mal in den Kopf gesetzt, mir meine Geburtstagstorte zu backen. Seit Wochen habe ich generalstabsmäßig daran gearbeitet. Alles hatte ich im Griff. Nur nicht das Wetter.

Dazu muss man auch wissen, dass es für mich schon als Kind nichts Tolleres gab, als mir zum Geburtstag eine Crèmetorte zu wünschen. Meine Mutter und Lehrmeisterin in Sachen Backen erfüllte mir diesen Wunsch – zähneknirschend und nicht ohne es mit sinnvollen Argumenten zu versuchen: Schokoladentorte schön und gut, aber es sei doch Juli und Sommer und überhaupt, vielleicht doch lieber was mit Obst…? Der Kompromiss sah meist so aus, dass am Ende beides auf dem Tisch stand, Obstkuchen für alle und Schokotorte für die Hardcore-Schleckermäulchen. Also mich.

Genauso hatte ich mir das auch dieses Mal vorgestellt. Von Freundin K. wünschte ich mir zum Ausgleich für die Zimtschnecken zu ihrem Geburtstag einen Erdbeerkuchen, wohl wissend, dass sich die Kollegen mit Freude darüber hermachen würden. Ich selbst plante meine Torte. Wozu habe ich schließlich Dekorieren gelernt?

Also wurde der gute Fondant aus dem Dekokurs bestellt. Blütenpaste dazu. Blütenausstecher, ein langes Lineal, Pinsel und Icingpaste kamen nach und nach dazu. Schließlich noch ein digitales Thermometer. Parallel die Rezeptrecherche. Die Entscheidung fiel schließlich auf einen amerikanischen Whitecake als Basis und eine Swiss Meringue Crème als Füllung beziehungsweise Unterlage für den Fondant. Ein Zeitplan wurde aufgestellt: Donnerstag Abend die Crème, Freitag den Boden, Samstag eindecken und dekorieren. Sonntag Geburtstag feiern, Montag die Torte in die Arbeit tragen.

Ich habe Eiweiß pasteurisiert, ich habe die Meringue Crème aufgeschlagen. Ich habe zwei wunderschöne Whithecake-Böden gebacken und den einen perfekt halbiert. Ich habe den untersten Boden mit K.’s Sauerkirschmarmelade bestrichten, der Fruchtigkeit halber. Ich habe den zweiten Boden mit Crème bestrichen, den dritten aufgelegt und begonnen, alles einzuschmieren.

image image image

Dann habe ich aufgehört und geheult.

image

Dass bei 38 Grad kaum jemand Lust auf Torte haben würde, war mir klar gewesen. Dass die Crème aber bei Innenraumtemperaturen von ebenfalls rund 30 Grad ausflocken und davonlaufen würde – darauf war ich einfach nicht vorbereitet.

Nach der ersten Enttäuschung habe ich das Teil in den Kühlschrank geschoben, einfach um mich noch ein bisschen länger darüber ärgern zu können. Da steht es auch noch. Und daneben liegt ein schneller Kokosmürbteig für eine Plan-B-Obsttarte…

P.S.: Später habe ich den Matsch von außen abgekratzt und die Torte wenigstens mal angeschnitten. Das wäre ihr Innenleben gewesen.

image

Geschmack – 1A. Aber warte nur, so leicht geb ich mich nicht geschlagen.

(An dieser Stelle übrigens mal ein Hoch auf all die Köche und Patessiers, die eben nicht heulend über dem Herd hängen. Hut ab!)

4 Gedanken zu “Happy Desaster

  1. Pingback: Teufelspakt, mit Schokolade gezeichnet | Back ihm was Gscheits

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s