Gnade vor Plätzchen

Adventszeit, staade Zeit, besinnliche Zeit – nur in meiner Küche wird mal wieder geflucht. Von wegen besinnliches Weihnachtsbacken. Stattdessen Ärger in Wellen und Teige zum an die Wand klatschen. Der Ehegatte, der versucht, beruhigend auf die Bäckerin einzuwirken, spart sich seine tröstenden Worte bald wieder. Er kommt nicht an gegen gereizte Nerven.

Anders gesagt: Der alte Gram über Rezeptangaben ist zurück. Für sogenannte „Stained Glass Cookies“ sollte ich beispielsweise 180 Gramm Bonbons zerhäckseln.

Was ich auch brav gemacht habe.

Mit dem Ergebnis, dass wenig später etwa 150 Gramm zerhäckselte Bonbons im Müll gelandet sind. Oder hätte ich die Zuckerbrösel, die ich nicht gebraucht habe, noch zu ganzen Fensterscheiben verbacken sollen?

Für die wenigen Löcher, ich in meine Plätzchen gestanzt habe, hätte es jedenfalls weit weniger getan. Ich gebe zu: Am Ende habe ich gar keine Löcher mehr gestanzt – weil das nämlich unheimlich mühsam ist und ein schreckliches Gefummel. Und in winzige Löcher winzige Mengen geschredderte Bonbons zu bröseln, hat mir auch wenig Freude gemacht. Das liest sich immer so toll und kaum hat man angefangen, merkt man wieder, wie sehr man mit dem Feinmotorischen auf Kriegsfuß steht.

Dabei habe ich jedes Jahr so viel Lust auf’s Plätzchen backen. Nur wenn es dann schon wieder so losgeht, dass ich einen Teig zusammenknete, bei dem einfach von Anfang an klar ist, dass man ihn nicht ausrollen KANN!?

So geschehen mit Runde zwei, den „Snowflake-Sternen“. Ich hab mal extra diese Vergleichsfotos gemacht:

Hat das etwa irgendeine Ähnlichkeit? Klar, wenn ich hinterher darüber nachdenke, hätte ich schon stutzig werden müssen, dass 240 Gramm Saure Sahne in den Teig kommen. Das war vom Aggregatzustand dann näher an flüssig als an fest. Am Ende hab ich die Teile ungefähr so dick wie Scones ausgestochen, um überhaupt zu einem Ergebnis zu kommen. Dass es sich hier um mindestens so schöne Schneeflocken-Ausstecher handelt, glaubt mir wahrscheinlich keiner. Nur das gnadenlose Unterkneten von ungefähr einem weiteren halben Pfund Mehl hat den Teig vor dem Mülleimer gerettet.

Überraschend gut ging’s dann immerhin mit dem Rezept, vor dem ich am meisten Angst hatte, weil ich es am besten kenne: Die „Spitzbuben“ aus dem familiären Rezepteschatz waren mir schon zu Kinderzeiten die allerliebsten. Und ich erinnere mich gut, dass bei der Herstellung bereits aus der mütterlichen Küche gelegentliches Fluchen zu hören war: Der Teig ist dermaßen bröselig, dass er wirklich schwer zu handhaben ist. Aber siehe: In einen großen Gefrierbeutel gepackt und darin ausgerollt, hat sich immerhin dieses Problem in Wohlgefallen aufgelöst.

Vielleicht muss ich ja auch immer erst in den richtigen Flow kommen? Denn die vorerst letzte Sorte, der ich mich dieses Jahr gestellt habe, ging ebenfalls recht einfach von der Hand: „Orangensterne“, die ich nicht mit echtem Blattgold, sondern nur mit schnödem Lebensmittel-Glitter verziert habe.

Auch sie weichen optisch irgendwie stark von der Abbildung ab. Aber ich bin schon froh, dass es erkennbar Sterne geworden sind.

Ja ja, wir lernen: Mein Verhältnis zu Plätzchen ist ambivalent.  So ambivalent, dass ich mich dieser Tage dem Thema noch ein weiteres Mal stellen werde. Ich habe mich zu einem Plätzchen-Backkurs angemeldet …

 

 

4 Gedanken zu “Gnade vor Plätzchen

  1. Ich kenne solche Aktionen zur Genüge und dann ist die Küche auch noch dreckig. Ggggrrrrhh!
    Brauchst Du funktionierende Rezepte, wenn ja welche?

    Liebe Grüße,
    K. Klee

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