Schichtdienst einer Hochstaplerin

Das Thema Torte ist, das muss man ja mal zugeben, schon lange viel zu kurz gekommen. Im Grunde schon seit dem Tag, an dem die blogbildende Hochzeitstorte gecancelt wurde. Dabei wollte ich meine Fähigkeiten im Tortenbacken doch trotzdem ausbauen! Habe Werkzeuge angeschafft. Besitze Stäbchen zum Modellieren. Habe eine kleine Presse zur Herstellung von Blüten. Lineal. Unterlage. Blütenpaste… Nur: Die rechte Leidenschaft für Fondant, die ist bis heute nicht so recht gekommen.

Und trotzdem üben Bilder von Torten nach wie vor eine große Faszination auf mich aus. Vor allem die mit kleinem Durchmesser, die dafür umso höher gestapelt werden. Und solche, über die seitlich kunstvoll Schokolade runterläuft, die auf halber Strecke stoppt. Ich liebe fließende Schokolade!

Warum ich allerdings so lange gebraucht habe, um zu kapieren, dass man nicht zwingend Fondant auf eine Torte legen muss, um Schokolade herunterlaufen zu lassen? Eines dieser Rätsel…

Letztlich ist aber aus der Lust, es auch einmal runtertröpfeln zu lassen, diese Schokotorte mit Schokofüllung und Schokoüberzug entstanden.

Und zwar ausnahmsweise mal auf Grundlage ganz klassischer, deutscher Grundrezepte: Für den Teig habe ich mich erstmals an eine Wiener Masse gewagt, wie sie Konditoren verwenden, und für die die Eier mit Zucker über dem heißen Wasserbad aufgeschlagen werden. Die Crème ist eine ganz normale Buttercrème auf Puddingbasis.

Als Unterlage habe ich noch einen sehr dünnen Mürbteigboden mit Kakao gebacken, den ich mit etwas Karamellcrème an den untersten Boden geklebt habe. Der Überzug ist eine schlichte Schokoganache aus Zartbitterschokolade, Sahne und Honig. Ein paar karamellisierte Walnüsse aus eigener Ernte zur Deko.

Zweierlei Teige, eine Crème, ein Überzug, Dekonüsse, Goldstaub on top – doch eine ganze Menge einzelner Komponenten. Aber passend zum geschichteten Endergebnis habe ich das Ganze auch sehr entspannt innerhalb von drei Tagen aufgebaut: Böden am Freitag Abend; Crème und Dekoration am Samstag, dazu alles aufgestapelt, getränkt mit Likör, befüllt und verspachtelt; die Ganache und Dekoration schließlich am Sonntag.

Und dabei immer schön ruhig geblieben. Ich so voll in Einklang mit meinen Zutaten.

„Der Teig darf nicht merken, dass du Angst vor ihm hast“, hat Carola Merkel im Plätzchenbackkurs gesagt. Eine Aussage, die sich mir tief eingeprägt hat!

Ganz offensichtlich hat an diesem Backwochenende kein Teig und keine andere Zutat gemerkt, dass ich relativ viel Respekt hatte. Wiener Masse, Wasserbad, deutsche Buttercrème – alles ungeprobt und noch nie gemacht.

Und also betrachte ich mich angesichts des Ergebnisses jetzt als wahre Hochstaplerin!

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