Der Ofen ist aus

Ist ja nicht so, dass ich nicht gebacken hätte in den vergangenen Wochen. Ich hab‘ es nur nicht aufgeschrieben. Der Vollständigkeit halber also mal wieder eine kleine Aufzählung.

Da waren diese Kokos-Brownies nach einem Leila-Lindholm-Rezept, zu denen die überwiegende Anzahl der Kommentare lautete: „Mmh, nicht so süß!“

Nun ist für mich „nicht so süß“ wirklich kein besonders wertvolles Kriterium. „Nicht so süß“ heißt für mich normalerweise einfach: nicht süß genug.

Dass der Mann meinte, diese Brownies würden von Tag zu Tag besser werden, weil saftiger, konnte mich auch nicht stärker überzeugen. Ich fand sie bis zum letzten Krümel – nicht so süß.

Aus der restlichen Kokosmasse, die ich einfach nicht in den Schokoteig hineinbekommen habe, wurden improvisierte Makronen, mit einem Tupfer Tahini im Zentrum. 

Die waren definitiv süßer, weil ich entsprechend nachgearbeitet habe. 

Dann brauchte ich eine Torte als Geschenk. 

Aber der Ofen ging nicht an!

Nichts. Kein Licht, keine Wärme. Kalte Dunkelheit im Rohr.

In meiner Not habe ich die fertig befüllte Springform ein Stockwerk nach oben getragen, wo nette Nachbarn leben, bei denen ich sowohl die Wiener Masse (für die Torte) als auch einen bereits aufgegangenen Guglhupf mit Mohn-Marzipan-Füllung backen konnte.

Der Preis dafür war allerdings kein ganz geringer. Denn weil dort unter anderem eine steinalte Dame lebt, die sehr viel Angst vor allem und jedem hat und ganz besonders davor, den Ofen anzuschalten (abgesehen von Einbrechern, Feuer, Briefträgern, Dunkelheit), bedurfte es zunächst sehr geduldiger Zungen, sie zu überzeugen, dass niemand zu Schaden käme, wenn wir mal für ein, zwei Stunden etwas backen. Es wäre ihr lieber gewesen, man hätte ihren kleinen Tischgrill verwendet. Aber da passt weder eine Spring- noch eine Guglhupfform hinein.

Anschließend musste ich mir etwa 400 Handyfotos einer polnischen Hochzeit ansehen, mit Menschen, die mir gänzlich unbekannt sind, die offensichtlich zwei Tage lang viel getanzt und noch mehr gegessen haben, zu denen ich via Foto aber keine rechte Beziehung aufbauen konnte – und dann war glücklicherweise auch mein Tortenboden durch.

Bevor das Teil dann in seine Geschenkbox kommen konnte, wurde es befüllt: Mit einer Schicht Schokoladenganache, einer Schicht Sahne sowie selbstgemachter Kirschmarmelade. Und ein bisschen Rum.

Gülden besprüht ein ganz hübsches Teil. 

Ein paar Tage später kam der Elektriker wegen des Ofens. Das Ergebnis seiner Untersuchung ist mir ein bisschen peinlich:

Da gibt es einen Schalter an meinem Herd, so eine Art Eieruhr. Habe ich noch nie nie nie verwendet. Wenn das Rad aber einen Ticken nach rechts gedreht ist, dann geht der Ofen gar nicht erst an.

Offenbar stand es seit Jahren einen Ticken mehr links. Aber beim Putzen wird es wohl verdreht worden sein. Nach rechts.

Und ich hatte schon gehofft, vor der Plätzchenproduktion vielleicht noch einen neuen Ofen zu bekommen.

War wohl nichts. Das Rädchen steht jetzt wieder dauerhaft links.  

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s