Formlos formschön

Die Reise nach Frankreich kann bis auf weiteres verschoben werden: Dank eines netten Kommentars bin ich darauf gekommen, dass ich meine Suche nach kleinen Förmchen falsch angegangen bin. Jetzt, mit den richtigen Begrifflichkeiten, ist der Erwerb von Mini-Mini-Tartelette-Förmchen in greifbare Nähe gerückt. Und schon ist die Dringlichkeit proportional geringer geworden.

Etwas ärgerlich über mich selbst war ich schon: Denn eines der ersten Dinge, die wir im Backkurs gelernt haben, war ja, dass es sich bei den häppchenhaften Tartelettes eigentlich um Petits Fours handelt. Unter diesem Namen bekommt man in Deutschland üblicherweise ein kleines, aus Biskuitböden geschichtetes Törtchen, das mit Zuckerguss überzogen ist. In Frankreich aber eben Mürbteigteilchen.

Darum verlief die Suche nach Minitartelettes-Förmchen auch ziemlich fruchtlos – die nach Petit Four Förmchen aber gleich erfolgreich. Und als ich dann wusste, dass ich sie jederzeit haben könnte, habe ich überlegt, wie ich für den Anfang ohne übe.

Es fanden sich: ein Minimuffin-Blech, eine Midi-Tarteform rechteckig, eine Midi-Tarteform rund sowie diverse Keramik-Dessertschälchen.

Jede davon tat ihren Dienst für’s Erste ganz vortrefflich.

Auch gelernt habe ich – und das war überhaupt extrem interessant! – dass Mürbteig eben NICHT ausschließlich mit kalter Butter hergestellt werden muss. Seit ich denken kann, höre und lese ich immer und immer und immer: Mürbteig – kalte Butter! Schnell einarbeiten! Sie darf AUF KEINEN FALL zu weich und warm werden!

Und jetzt: Andere Schule!

Will sagen: Falsch ist es nicht mit der kalten Butter. Aber eben nur ein Weg und vor allem für größere Böden, bei denen es auf knusprige Ergebnisse ankommt. Bei kleinen Häppchen, die mit einem Satz im Mund verschwinden, könnte es aber auch mal auf den besseren Buttergeschmack ankommen, so lehrt Frau Iimori. Und dafür wird die Butter so weich gerührt, dass sie schon fast aussieht wie Mayonnaise. Sehr apart!

Schließlich ein drittes Learning: Die Herstellung von Crème Pâtissière, auch Konditorcrème genannt, ist wirklich nichts, wovor man sich fürchten müsste. Im Grunde ja nichts anderes als selbstgekochter Pudding.

Meine Sorge, sie würde mir anbrennen oder Klümpchen bekommen, blieb unbegründet. Einzig am Stand muss ich noch ein wenig arbeiten: Ich wollte damit eigentlich gleich noch ein wenig an meiner Spritztechnik arbeiten – am Ende lief das meiste aber doch zu einer Form zusammen.

Nicht ganz neu war mir indes der Hinweis, man könne aus diesem butterigen Mürbteig auch leicht ein paar schnelle Kekse machen. Das scheint ja ein beliebter Konditorentrick zu sein. Aber warum nicht?

Eine zweite Menge Mürbteig habe ich entsprechend mit etwas Kakao versetzt und zu einer – nein, nicht zu einer Rolle geformt. Man könne davon – „Tschu-tschu-tschu“ – ganz leicht Scheiben abschneiden und zu Keksen backen, meinte Madame Iimori. Aber „Tschu-tschu-tschu“ habe ich schon öfter versucht und war dabei gerade mit Rollen nicht sonderlich erfolgreich.

Also habe ich mich gleich für einen eckigen Block entschieden und was dabei nach Tschu-tschu-tschu herauskam, hat zumindest leichte Ähnlichkeit mit Rechtecken.


Ein Gedanke zu “Formlos formschön

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