Die reine Schuld

Wenn ich irgendjemandem etwas Selbstgebackenes mitbringe, ist meine Einstellung normalerweise die des gewissenlosen Dealers: Ich bin nur der Lieferant – was du mit der Ware machst, musst du schon selbst wissen. Ich wasche meine Hände in Unschuld. Du bist erwachsen!

Bei diesem Karamell Shortbread habe ich erstmals Skrupel: „Du DARFST die nicht alleine essen!“ habe ich dem Mann eingeschärft, als ich ihm eine große Dose vollgepackt habe. „Du MUSST auch deinen Kollegen welche davon hinstellen!“

Genau! Das ist die Lösung: Das Böse einfach auf mehrere Körper verteilen! Teile die Dosis, damit alle ein bisschen high werden. Und wenn schon nicht high, dann eben ein kleines bisschen fetter. Macht auf zehn Hüften wenigstens nicht so viel aus, wie auf einer.

Außer Frage steht: Dieses Rezept kommt aus einer teuflischen Küche. (Um genau zu sein, habe ich es aus der Koca, der Fachzeitschrift für Konditorei und Cafè. Es besteht – Moment, ich muss mal kurz überschlagen – aus rund einem Pfund Mehl, knapp eineinhalb Pfund Butter und einem Pfund Zucker. Dazu noch ein bisschen Sirup – soll ja auch süß sein. Und ach so, Kondensmilch. Weil Fett war ja noch kaum dran bisher. Die 500 Gramm Milchschokolade oben drauf kann man doch getrost ignorieren, denke ich. Die fallen nicht mehr – haha! – ins Gewicht.

Ich werde davon nichts zu Hause behalten! Ich will das Zeug nicht hier haben. Denn das Schlimme ist: So simpel die Zutaten, so hammergeil ist das Shortbread. Mal abgesehen davon, dass es mir hier endlich mal wieder gelungen ist, eine Karamellmasse zu kochen, die auch fest wurde, ist vor allem der Boden fantastisch. Der wird definitiv mein Standard-Mürbteig.

So einen hatte ich noch nie nie nie! Und ich weiß nicht, woran es lag. Er besteht aus 160 Gramm Puderzucker, 340 Gramm Butter, 410 Gramm Weizenmehl und 75 Gramm – aufgepasst – Maismehl.

Ob es der Puderzucker ausmacht oder das Maismehl oder beides? Jedenfalls hatte ich einen so geschmeidigen Mürbteig, der nicht ein bisschen klebte, der beim Ausrollen elastisch war, der nicht eingerissen ist – vor Begeisterung habe ich ihn gleich mehrmals wieder eingeklappt und neu ausgerollt, weil`s solchen Spaß gemacht hat! Und selbst ungebacken war schon klar: Der wird super!

Und der wurde! Man hätte den auch einfach zu kleinen, nackten Keksen verarbeiten können.

Aber es wäre natürlich nur der halbe Spaß gewesen.

So war’s der Ganze.

Aber auch die ganze Schuld.

5 Gedanken zu “Die reine Schuld

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