Blindverkostung

Üblicherweise komme ich aus jedem Kurz- oder Langurlaub mit irgendeinem Rezept zurück oder mit der Absicht, etwas nachzukochen oder -backen. Das hat dieses Mal nicht ganz funktioniert. Oder anders. Eigentlich war es genau wie immer: Ich hatte die Idee etwas nachzubacken. Allerdings etwas, das ich weder probiert, noch gesehen hatte.

Nun möge man mir verzeihen: Hätte ich mich schon mal intensiver mit türkischer Küche auseinandergesetzt, hätte ich es ganz leicht als Künefe identifiziert. Aber mir wurde es mitten in Tel Aviv als Knafeh vorgestellt und aufgrund von feiertäglich geschlossenen Läden sowie feiertäglich extrem langer Schlangen vor den wenigen geöffneten Läden blieb es bei der Aussage: „Das musst du probieren!“

„Na gut, dann mach ich mir halt eines“, dachte ich und begann daheim mit der Rezeptrecherche. Interessanterweise findet sich unter Knafeh nicht so viel, wie vermutet. Dann fand ich die Verbindung zu Künefe oder Kunafah. Da findet sich genug. Genug, um mich zu fragen, warum ich davon noch nie was gehört hatte.

Auf Basis der mir persönlich erklärten Zutaten – salziger Ziegenkäse, Kadayif-Fäden, Zuckersirup – und der Erkenntnis, dass es viele viele Varianten gibt, entschied ich mich schließlich für ein Video-Rezept des jordanischen Knafeh, nämlich dieses hier. Ich wollte doch so nah wie möglich rankommen an das, was ich nie gesehen und nie probierte habe.

Interessant dann der Vergleich zwischen Video und Realität: Der Käse aus Ziege sei extrem salzig und müsse unbedingt stundenlang in Wasser eingelegt werden. Kaufen könne man Ihn in jedem türkisch-arabischen Supermarkt und es stünde „Käse für Künefe“ drauf.

Ich war in drei Supermärkten. Zwei arabische hatten überhaupt nichts in der Art, der dritte, ein türkischer, hatte zwar „Käse für Künfefe“, es handelte sich aber um Kuhmilchkäse statt Ziege. Außerdem stand „Mozzarella“ drauf. Man versicherte mir trotzdem, dass es der richtige ist. Mir dämmerte, dass das der Grund ist, warum in vielen Künefe-Rezepten einfach Mozzarella angegeben ist.

Also weder Ziege noch Salz. Dafür rote Lebensmittelfarbe. Die wiederum, so die Video-Bloggerin, gebe es leider nicht in Deutschland und man solle sie sich aus Jordanien mitbringen lassen, wenn möglich.

Da hatte ich jetzt wieder keine Schwierigkeiten: Von wegen nicht erhältlich. Solche rote Lebensmittelfarbe kaufe ich seit 25 Jahren in jedem Asiamarkt. Weil die Inder ihr Essen nämlich auch gern rot einfärben…

Mit dem Ergebnis war ich dann durchaus zufrieden, obwohl ich es mir mit Ziegenkäse noch irgendwie besser vorstelle. Aber ich hab ja keine Ahnung, wie es wirklich sein soll. Eines kann ich aber noch raten: Als Abschluss eines Abendessens mit Kürbislasagne ist Knafeh nicht geeignet!

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