Mohn(o)kultur

Notiz an mich selbst: Fang‘ endlich an, Rezepte so zu studieren, wie du Ikea-Anleitungen studierst! Im Aufbau von Schwedenmöbeln bin ich nämlich unschlagbar. Warum? Weil ich vor jedem Schraubenzug auf jedes noch so winzige, gezeichnete Detail achte. Würde ich das mal nur anwenden auf Kuchenrezepte!

Dann hätte ich den ersten Mohnkuchen nämlich gar nicht erst angefangen.

Der sieht doch jetzt gar nicht so verkehrt aus, könnte man sagen. Ganz hübsch, oder? Könnte man.

„An den Glitzerstreuseln habe ich erkannt, dass er von dir sein muss“, meinte M., der sich aber über den Geschmack ein wenig verwundert zeigte.

Und er hatte Recht. M.s Urteil ist nicht zu ignorieren: Er soll, so heißt es, daheim ebenfalls eine ganz ausgezeichnete Bäckerin haben. Er folgt Qualitätskriterien, die unter anderem besagen, nicht jeden x-beliebigen Kuchen zu probieren, nur weil der in der Kaffeeküche abgestellt wird. M. will vorher sicher wissen, aus welcher Backstube das Angebot kommt.

Richtig so! Umso größer war wohl die Enttäuschung, nachdem er im Vertrauen auf die Optik zugegriffen hatte. Das war einfach nix!

„Mohnkuchen mit weißer Schokolade“ lautete der Rezepttitel. Nur, dass in den Teig gar keine weiße Schokolade reinkommt. Die dient lediglich als Guss. Was ich natürlich zu spät realisiert hatte.

Abbrechen hätte ich aber schon viel früher und an mehreren Stellen sollen: Margarine statt Butter? Kein Ei, keine Milch, stattdessen lediglich zwei Löffel Joghurt in den Teig? Und ganz am Ende noch der Zusatz der Bäckerin, sie habe die Zuckermenge reduziert.

Kein Wunder, dass M.s Urteil mehr oder weniger lautete: Das kannst du besser.

Was zu beweisen war.

Wieder habe ich das Endergebnis glitzerig bestreuselt.

Wieder habe ich das Rezept (Karotten-Marzipan-Mohn-Kuchen: Das Rezept findet sich hier in einer Reihe verschiedener Gerichte.) nicht ganz genau gelesen.

Das heißt: Hier war vermerkt, man würde beim nächsten Backen mehr Mohnfüllung verwenden. Den Hinweis hatte ich gelesen! Und weil mir allein der Begriff „mehr Füllung“ extrem sympathisch ist, und weil man an Füllung ja nie genug haben kann, habe ich gleich mal alles, was ich für Füllung hielt, verdoppelt.

Mit dem Ergebnis, dass ich plötzlich ungezählte Schüsselchen vor mir hatte, alle randvoll mit Teigkomponenten – die aber überhaupt gar nicht zur Füllung gehörten.

Dieses Problem konnte aber einigermaßen elegant gelöst werden: Die Kastenform so vollgestopft, wie nur ging, dann alle Reste zusammengerührt und den Versuch gewagt, kleine „Füllungsresteküchlein“ zu backen. Ging!

M. hat das Ergebnis als meiner würdig befunden – Ehre wieder hergestellt.

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