Dringlicher Apfel

Ein neues, besseres Antennenkabel hat es seit geraumer Zeit möglich gemacht, dass ich den TV-Sender TLC wieder empfangen kann. „Ti El was?“ TLC, ein Nischensender, auf dem man im Wesentlichen Amerikanerinnen beim Kauf ihrer 5000-Dollar-Brautkleider begleiten kann, schwerst Übergewichtige beim Abnehmen anstarrt, einem ganz echten, wahrhaft wahren Medium dabei zuhört, wie es Kontakt mit den Toten aufnimmt – und die Kreationen des Cake Boss bewundert. Der formt aus Massen von Modellierschokolade und Fondant Mega-Torten – ein TV-Format, das mich natürlich interessiert. Und das ich sofort gesucht habe, als das Kabel angeschlossen war.

Gefunden habe ich „Molto bene – Benedetta kocht“. Benedetta ist eine sehr schlanke, flotte Italienerin, die im Augenblick meines Hineinzappens gerade einen ziemlich flüssigen Teig auf Ricottabasis anrührte (Zu sehen in Staffel 2, Folge 21.).

Teig mit Ricotta? Ich war dabei!

Ich war nicht nur dabei – ich war dermaßen angefixt, dass ich am nächsten Tag nach der Arbeit in atemloser Hast ein Kilo Äpfel und Ricotta besorgt habe, nach Hause gefegt und praktisch noch in Mantel und Schal zum Kühlschrank gerannt bin. Da war keine Zeit, Garderobe abzulegen! Die Schuhe wurden erst gewechselt, als die Butter schon zum Schmelzen auf dem Herd stand:

ICH MUSSTE APFELKUCHEN MIT RICOTTA BACKEN.

Für so ein drängendes, fast schon zwanghaftes Backbedürfnis ist dieses Rezept übrigens perfekt. Der Teig ist fix zusammengerührt, nur das Apfelschälen und Schneiden kostet vielleicht etwas Zeit. Aber ich sag’s mal so: Kurz nach sechs war ich zuhause, um halb sieben wollte ich ein Pokalspiel ansehen – pünktlich zum Anpfiff war der Kuchen im Ofen.

Fast genauso schnell war der Kuchen übrigens am nächsten Tag aufgegessen. Damit der Gatte auch noch was abbekommt, habe ich die Schnitten gleich noch einmal mit halben Mengen nachgebacken. Auf diese Weise sind übrigens erneut zwei Tütchen meines unendlichen Trockenhefevorrates verbraucht worden. Nach wie vor ist es mir ein Rätsel, wozu die Trockenhefe in den Teig kommt. Es ist kein Hefeteig und er muss auch nicht ruhen. Aber irgendeine Wirkung wird es schon haben – Benedetta wird’s wissen.

Und ganz ausnahmsweise werde ich hier mal das Rezept aufschreiben, was ich ja normalerweise nicht mache. Aber nachdem man die Rezepte aus der Show nirgends abrufen kann, sondern selbst zusehen und mitschreiben muss, will ich mal nicht so sein. (Die Pasta mit dem Sugo aus dem Ofen aus derselben Folge ist übrigens auch extrem empfehlenswert!)

 

Apfelkuchen mit Ricotta

150 g Butter, geschmolzen
2 Eier
200 g Zucker
100 g Ricotta
300 g Mehl
1 Tütchen Trockenhefe
1 Prise Salz
1 kg Äpfel, geschält und in groben Stücken
etwas Milch
brauner Zucker

Die Eier mit dem Zucker in einer Schüssel aufschlagen (Von Hand mit dem Schneebesen genügt).

Die flüssige Butter unterrühren.

Ricotta unterheben.

Mehl, Hefe und Salz vermischen und in zwei, drei Portionen einrühren.

Etwas Milch unterrühren, schätzungsweise 100 ml, bis der Teig etwas zähflüssig ist.

Äpfel gut unterheben. Es sieht fast so aus, als sei es zu wenig Teig, soll aber so sein.

In eine Form füllen, mit braunem Zucker bestreuen und laut TV bei 140 °C 30 bis 40 Minuten backen – bei mir waren es 175 °C und 45 bis 50 Minuten… Die Stäbchenprobe wird es zeigen.

Ein Gedanke zu “Dringlicher Apfel

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